AUF EINEN BLICK
Der Kick-off ist die günstigste Stunde des Projekts: Wer Ziel, Rollen und Spielregeln vor dem ersten Strich schriftlich klärt, spart auf der Baustelle ein Vielfaches.
Viele Bauprojekte starten mit einem Missverständnis: Alle Beteiligten glauben, dasselbe Ziel zu verfolgen, und meinen in Wahrheit Verschiedenes. Der Bauherr denkt an ein Budget, der Architekt an eine Gestaltung, der Nutzer an eine Funktion. Der Projekt-Kick-off ist der Termin, an dem diese Erwartungen offen auf den Tisch kommen und zu einem gemeinsamen, verbindlichen Auftrag zusammengeführt werden, bevor Zeit und Geld in eine Richtung fließen, die später keiner so gewollt hat.
Das Ziel scharf stellen
Ein Projektziel ist nur dann steuerbar, wenn es konkret, messbar und terminiert ist. „Wir bauen ein Bürogebäude" ist kein Ziel, sondern eine Absicht. „Wir stellen bis zum vierten Quartal Nutzflächen für 40 Arbeitsplätze innerhalb eines Kostenrahmens von X her" ist ein Ziel, an dem sich jede spätere Entscheidung prüfen lässt. Zum Ziel gehört immer auch, was ausdrücklich nicht zum Projekt gehört, ein klar gezogener Rand spart später die meisten Konflikte.
Rollen und Verantwortung festlegen
Im Kick-off wird geklärt, wer entscheidet, wer plant, wer ausführt und wer informiert werden muss. Entscheidend ist die Trennung zwischen Verantwortung und Mitwirkung: Für jede wesentliche Aufgabe sollte genau eine Person die Verantwortung tragen, während andere zuarbeiten oder gehört werden. Bleibt diese Zuordnung offen, entstehen später die typischen Reibungen, zwei fühlen sich zuständig, oder am Ende keiner.
Das Projekthandbuch als gemeinsames Gedächtnis
Was im Kick-off vereinbart wird, gehört schriftlich fixiert: Ziele, Rollen, Termin- und Kostenrahmen, Kommunikationswege, Entscheidungsregeln. Dieses Projekthandbuch ist kein Formalismus, sondern das gemeinsame Gedächtnis des Projekts. Es wird über die Projektphasen fortgeschrieben und beantwortet im Streitfall die Frage, was ursprünglich vereinbart war, ohne dass sich jemand auf sein Gedächtnis berufen muss.
Warum das am Bau doppelt zählt
Ein Bauprojekt lässt sich nicht zurücksetzen. Jede Wand, die falsch steht, jede Leistung, die missverständlich beschrieben war, wird zu Nachtrag, Bauzeit oder Streit. Der Kick-off ist die günstigste Stunde des gesamten Projekts: Was hier an Klarheit investiert wird, spart auf der Baustelle ein Vielfaches. Deshalb beginnt bei Alpha Quadrat jedes Projekt mit diesem Termin, und nicht mit dem ersten Strich.
QUELLEN
- [1]DIN 69901-2:2009-01: Projektmanagement, Projektmanagementsysteme, Teil 2: Prozesse, Prozessmodell.
- [2]GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement / IPMA: Kompetenzbasierte Grundlagen des Projektmanagements.
FACHLICH VERANTWORTET
Lazaros Amperidis, Dipl.-Ing. Architekt (AKNW)
Mitglied der Architektenkammer NRW (Mitgliedsnr. 32316), bauvorlageberechtigt, Wuppertal. Die Anerkennung als staatlich anerkannter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden ist in Vorbereitung (angestrebt voraussichtlich ab November 2026). Er verantwortet die fachlichen Inhalte und jede Gutachtenfreigabe persönlich.
MEHR ÜBER UNS
MEINUNGSBEITRAG DES GENANNTEN AUTORS. ALLGEMEINE EINORDNUNG, KEINE VERBINDLICHE BERATUNG IM EINZELFALL.
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