AUF EINEN BLICK
Bauprojekte scheitern an Menschen, die zu spät eingebunden werden. Wer Beteiligte früh nach Einfluss und Interesse sortiert, verwandelt späte Einwände in frühe Planungsaufgaben.
Ein Stakeholder ist jede Person oder Gruppe, die ein Bauprojekt beeinflussen kann oder von ihm betroffen ist. Am Bau ist das ein großer Kreis: Bauherr und Investoren, Architekt und Fachplaner, ausführende Firmen, die Genehmigungs- und Fachbehörden, Denkmal- und Naturschutz, Nachbarn und Anwohner, künftige Nutzer und Mieter, teils Presse und Politik. Wer diesen Kreis nicht früh sortiert, wird im Projektverlauf von ihm eingeholt.
Schritt 1: Identifizieren
Zu Beginn werden alle relevanten Beteiligten gesammelt, bewusst breit, lieber einen zu viel als einen zu wenig. Hilfreich ist die Frage: Wer entscheidet, wer genehmigt, wer zahlt, wer nutzt, wer könnte blockieren?
Schritt 2: Einordnen nach Einfluss und Interesse
Jeder Beteiligte wird nach zwei Achsen eingeordnet, wie groß ist sein Einfluss auf das Projekt, wie groß sein Interesse am Ausgang. Daraus ergeben sich vier sinnvolle Umgangsweisen: hoher Einfluss und hohes Interesse → eng führen und einbinden; hoher Einfluss, geringes Interesse → zufriedenhalten; geringer Einfluss, hohes Interesse → laufend informieren; geringer Einfluss und geringes Interesse → beobachten. So fließt Aufmerksamkeit dorthin, wo sie wirkt.
Schritt 3: Einbinden und kommunizieren
Für die wichtigen Beteiligten wird festgelegt, wer sie wann und in welcher Form anspricht. Eine Genehmigungsbehörde braucht ein frühes Abstimmungsgespräch, Nachbarn eine verständliche Information vor dem ersten Bagger, der Bauherr ein regelmäßiges, ehrliches Statusbild. Frühzeitigkeit ist hier der ganze Hebel: Ein früh eingebundener Einwand ist eine Planungsaufgabe, ein spät entdeckter Einwand ist ein Baustopp.
Warum das am Bau besonders zählt
Anders als in vielen Branchen ist ein Bauprojekt öffentlich sichtbar und ortsgebunden: Es lässt sich nicht verschieben, wenn ein Nachbar klagt oder eine Auflage übersehen wurde. Genau deshalb gehört die Stakeholder-Analyse bei Alpha Quadrat an den Anfang jedes Projekts und wird im Projekthandbuch fortgeschrieben, sie ist kein einmaliges Dokument, sondern wird über die Projektphasen aktuell gehalten.
QUELLEN
- [1]DIN 69901-5:2009-01: Projektmanagement, Projektmanagementsysteme, Teil 5: Begriffe.
- [2]Freeman, R. E. (1984): Strategic Management: A Stakeholder Approach. Pitman, Boston.
FACHLICH VERANTWORTET
Lazaros Amperidis, Dipl.-Ing. Architekt (AKNW)
Mitglied der Architektenkammer NRW (Mitgliedsnr. 32316), bauvorlageberechtigt, Wuppertal. Die Anerkennung als staatlich anerkannter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden ist in Vorbereitung (angestrebt voraussichtlich ab November 2026). Er verantwortet die fachlichen Inhalte und jede Gutachtenfreigabe persönlich.
MEHR ÜBER UNS
MEINUNGSBEITRAG DES GENANNTEN AUTORS. ALLGEMEINE EINORDNUNG, KEINE VERBINDLICHE BERATUNG IM EINZELFALL.
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