AUF EINEN BLICK
Das Ende eines Projekts ist der Anfang des nächsten: Wer sauber übergibt und ehrlich auswertet, macht aus einmaliger Erfahrung eine Regel, die von allein wirkt.
Ein Bauprojekt endet nicht mit dem letzten Handwerker auf der Baustelle. Zwischen fertigem Bauwerk und wirklich abgeschlossenem Projekt liegt eine Phase, die häufig unter Zeitdruck übersprungen wird, und genau in dieser Phase entscheidet sich, ob aus dem Projekt gelernt wird oder ob dieselben Fehler im nächsten wieder auftauchen. Ein bewusster Projektabschluss verwandelt Erfahrung in etwas, das dem nächsten Projekt gehört.
Sauber übergeben, nicht nur räumen
Zum formalen Abschluss gehören die vollständige Dokumentation, die geordnete Übergabe an den Nutzer oder Betreiber und der Abschluss der kaufmännischen Vorgänge. Ein Bauwerk, dessen Bestandsunterlagen, Wartungsangaben und Gewährleistungsfristen nicht geordnet übergeben werden, erzeugt noch jahrelang Rückfragen und Kosten. Der Aufwand am Ende ist gering gegen den Ärger, den eine lückenhafte Übergabe später verursacht.
Lessons Learned: ehrlich statt schön
Der Kern des Abschlusses ist die ehrliche Nachbetrachtung: Was lief gut, was schlecht, und woran lag es? Wertvoll wird diese Runde nur, wenn sie nicht der Schuldsuche dient, sondern der Ursache. Nicht „wer hat den Nachtrag verursacht", sondern „an welcher Stelle war die Leistung so beschrieben, dass ein Nachtrag entstehen musste". Erst diese Frage führt zu einer Erkenntnis, die man beim nächsten Mal anders machen kann.
Erfahrung muss auffindbar sein
Eine Erkenntnis, die nur im Kopf eines Projektleiters bleibt, ist für die Organisation verloren, sobald dieser das nächste Projekt betritt. Deshalb gehören die wichtigsten Lehren an einen Ort, an dem der nächste sie findet: als kurze, konkrete Hinweise, die in die Checklisten und Vorlagen des Unternehmens einfließen. So wird aus einmaliger Erfahrung eine Regel, die von allein wirkt.
Der Kreis schließt sich
Damit schließt sich der Bogen zum Projektstart: Die Lessons Learned des einen Projekts werden zum besseren Kick-off, zur schärferen Leistungsbeschreibung und zum realistischeren Terminplan des nächsten. Ein Unternehmen, das seine Projekte konsequent abschließt und auswertet, wird nicht durch Zufall besser, sondern systematisch, Projekt für Projekt. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Routine und echter Erfahrung.
QUELLEN
- [1]DIN 69901-2:2009-01: Projektmanagement, Projektmanagementsysteme, Teil 2: Prozesse (Abschlussprozesse).
- [2]Project Management Institute (2021): A Guide to the Project Management Body of Knowledge (PMBOK Guide), 7. Auflage, Lessons Learned / Wissenssicherung.
FACHLICH VERANTWORTET
Lazaros Amperidis, Dipl.-Ing. Architekt (AKNW)
Mitglied der Architektenkammer NRW (Mitgliedsnr. 32316), bauvorlageberechtigt, Wuppertal. Die Anerkennung als staatlich anerkannter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden ist in Vorbereitung (angestrebt voraussichtlich ab November 2026). Er verantwortet die fachlichen Inhalte und jede Gutachtenfreigabe persönlich.
MEHR ÜBER UNS
MEINUNGSBEITRAG DES GENANNTEN AUTORS. ALLGEMEINE EINORDNUNG, KEINE VERBINDLICHE BERATUNG IM EINZELFALL.
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