Bad undicht trotz heiler Fliesen: Warum die Abdichtung hinter den Fliesen zählt
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IN EINEM SATZ
Eine zementäre Fliesenfuge nimmt Wasser auf und gibt es an den Untergrund weiter. Dicht ist eine Dusche nur, wenn unter den Fliesen eine Verbundabdichtung nach DIN 18534 liegt, die in Ecken und an Durchdringungen mit Dichtbändern und Manschetten geschlossen ist. In bodengleichen Duschen (Klasse W2-I) muss sie an der Wand bis mindestens 20 cm über die höchste Wasserentnahmestelle reichen.
Zeitnah handeln: Dunkle Fugen, lose Fliesen oder Feuchte in der Nachbarwand deuten auf Wasser hinter der Fliesenebene hin; jede weitere Dusche vergrößert den Schaden im Bauteil.
Viele Eigentümer gehen davon aus, dass ein gefliestes Bad wasserdicht ist, solange die Fliesen heil sind und die Fugen geschlossen wirken. Das ist ein Irrtum. Keramische Fliesen sind zwar selbst wasserundurchlässig, die Fugen dazwischen bestehen aber in der Regel aus zementärem Fugenmörtel. Dieser Mörtel ist kapillar saugfähig: Er nimmt Spritz- und Brauchwasser auf und leitet es langsam in den Fliesenkleber und den Untergrund weiter. Was im Alltag nicht auffällt, summiert sich über Monate. Deshalb verlangt das Regelwerk unter den Fliesen eine eigene Abdichtungsschicht, die sogenannte Verbundabdichtung (Abkürzung AIV, Abdichtung im Verbund). Sie wird direkt auf den Untergrund aufgetragen, die Fliesen werden anschließend im Dünnbett darauf verklebt.
Die Anforderungen an diese Schicht sind seit 2017 in DIN 18534 geregelt, der Norm für die Abdichtung von Innenräumen. Sie teilt Bad- und Nassraumflächen nach der Stärke der Wassereinwirkung in vier Klassen ein, von W0-I bis W3-I. Je höher die Klasse, desto höher die Anforderungen an Abdichtungsstoff, Schichtdicke und Detailausbildung. Die kritischen Stellen sind dabei die Übergänge, weniger die großen Flächen: Boden-Wand-Ecken, Wandecken, Rohrdurchführungen, der Rand der Badewanne und der Anschluss an eine Duschrinne. Dort wird die flächige Abdichtung unterbrochen und muss mit Dichtbändern, Dichtmanschetten und passenden Einbauteilen geschlossen werden. Ein großer Teil der Wasserschäden aus Bädern geht auf einen dieser Anschlüsse zurück.
Für Sie als Eigentümer, Verwalter oder Bauherr ist das Problem, dass die Abdichtung nach der Fertigstellung unsichtbar ist. Ob sie überhaupt eingebaut wurde, ob die richtige Klasse gewählt wurde und ob die Anschlüsse fachgerecht ausgeführt sind, lässt sich von außen nicht erkennen. Sichtbar werden Fehler erst durch Folgen: dunkle Fugen, die nicht mehr abtrocknen, hohl klingende oder lose Fliesen, ein Fleck an der Wand im Nachbarraum oder an der Decke der darunter liegenden Wohnung. Dieser Artikel erklärt, wie die Verbundabdichtung aufgebaut sein muss, welche Schadensbilder typisch sind und mit welchen Methoden sich eine undichte Stelle eingrenzen lässt, bevor Fliesen entfernt werden müssen.

